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Wie alles begann...

   
 
 

Beate Gellhorn erinnert sich

 

Glückwunsch
Wow! 25 Jahre Funkfeuer! 100 Ausgaben! Zu allererst: Herzlichen Glückwunsch an die aufrechten und unermüdlichen Streiterinnen und Streiter in Sachen Kunst, Kultur und Meinung! 25 Jahre unentgeltlicher und unbestechlicher Lokaljournalismus – das muss man erst einmal durchhalten. Denn es gab nicht nur Zustimmung, sondern auch Anfeindungen wie, was es denn wieder „Ketzerisches im neuen Funkfeuer“ gebe, bis zu den finstersten Drohungen, dass man „wie in früheren Zeiten geteert und gefedert aus der Stadt gejagt gehöre“ oder dass man uns der „undemokratischen, linken Ecke der Parteienlandschaft“ zuordnete. Aber genau das hat uns und unsere Arbeit bestätigt und war uns – ich erlaube mir hier auch für die ehemaligen Kollegen zu sprechen – das Salz in der Suppe.

Gerne folge ich heute der Einladung, als Initiatorin von Funkfeuer, nach dieser langen, bewundernswerten Wegstrecke von 100 Ausgaben noch einmal auf die Anfänge zurückzublicken.

Es begann in einer milden Januarnacht 1991
Alles begann mit einem von mir einberufenen konspirativen Treffen an einem milden Winterabend im Schutze der alten Mauern Dinkelsbühls am 24. Januar 1991. Torfrock stürmte gerade mit „Beinhart“ auf Platz 1 der Singlecharts, Helmut Kohl wurde soeben wieder als Bundeskanzler in seinem Amt bestätigt, der Golfkrieg tobte und Boris Becker wurde die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. An diesem Abend machten sich auf eine rätselhafte Einladung hin sieben sich um das Kulturleben der Stadt verdient gemachte Bürgerinnen und Bürger ahnungslos auf den Weg zur Segringer Straße: Isolde Lang, Leiterin der Stadtbibliothek, Gerald Sünkel, damals Leiter des städtischen Jugendbüros, Susanne Grüner, Mitarbeiterin beim Städtetheater, Ernst-Otto Erhard, Altphilologe und hervorragender Kenner der Stadtgeschichte, Thomas Sandfuchs, politisches Urgestein und Kulturreferent und Walter Hauth, Vorsitzender des Theater- und Kulturrings.

„Wie soll es nur heißen?“
Die Vorstellung meiner Idee, ein unabhängiges Kulturmagazin ins Leben zu rufen, um über das reichhaltige und meist unterschätzte Kulturleben in der Provinz zu berichten, Stellung zu kulturellen Themen zu beziehen und sich einzumischen und – last but not least – um das Meinungsmonopol der einzigen Tageszeitung am Ort aufzubrechen, stieß auf Erheiterung, aber auch Zustimmung. Dennoch scheuten sich anfangs die meisten Anwesenden, bereits eingebunden in viele Ehrenämter der Stadt, diese Mehrarbeit, die sie nicht zu Unrecht witterten, auf sich zu nehmen. Endlich nach Mitternacht, viel Überzeugungskraft und einigen Gläsern Wein gewann diese verwegene Idee Freunde, aktive Mitstreiter und einen ersten Arbeitstitel: „Kulturbeutel – Kulturoptimismus in der Provinz“.
In der zweiten Redaktionssitzung, vier Wochen später, wurden bereits die Ressorts verteilt, das Layout entworfen und kühn verabredet, dass die erste Ausgabe zum Sommeranfang am 21. Juni 1991 erscheinen sollte.
In der dritten Sitzung, Anfang April, wurde der Name „Funkfeuer Dinkelsbühl“ geboren. Das Magazin sollte Signale senden und Navigationshilfe in Sachen Kunst, Kultur und Meinung werden. Reinhardt Gruß stieß als Filmexperte dazu, Peter Ruprecht übernahm die Verantwortung für unsere Titelfotos und Holger Bauer bereicherte das Heft mit seinen Zeichnungen. Von der vierten Redaktionssitzung Ende April gibt es noch Aufzeichnungen, die das Feuerwerk an Kreativität der Redaktion belegen: „Nachts um 2.30 Uhr wird zwar der Wein knapp, aber die Ideen sprudeln“.

Menschen prägen ein Vierteljahrhundert ein Kultur-Magazin
Am 21. Juni um 20 Uhr luden wir in den Konzertsaal Dinkelsbühl zur Präsentation der ersten Ausgabe ein. Im „zwanglosen Rahmen“ und vor vollem Haus, bei Riesentorte und Livemusik gaben wir mutig das Versprechen, viermal jährlich zum Jahreszeitenwechsel zu erscheinen. Zehn Jahre habe ich als Chefredakteurin mit großer Leidenschaft und Freude dieses Vorhaben begleitet. Nach meinem Wegzug nach Berlin lösten die Kollegen dieses Versprechen mit einem enormen Durchhaltevermögen, einem bemerkenswerten Engagement für ihre Heimatstadt und Wahlheimat sowie mit großem Spürsinn für immer neue Themen noch weitere fünfzehn Jahre ein.

Unvergessen bleiben für uns alle Thomas Sandfuchs mit seiner spitzen Feder, seinem Scharfsinn und der nötigen Ruhe im oft hektischen Redaktionsalltag und auch Peter Ruprecht, der mit seinen kunstvollen Titelfotos sehr viel auch zur optischen Qualität des Magazins beitrug. Sie waren beide bis zu ihrem Tod aktive und leidenschaftliche Mitstreiter und haben das Gesicht dieses Magazins ganz wesentlich mitgeprägt.

Das Experiment ist gelungen
Nun wird mit der 100. Ausgabe eine journalistische Ära in dieser Stadt beendet. Ein verdienter „Ruhestand“ für die unermüdlichen Redakteure, die den Beweis angetreten haben, dass es sowohl ein reichhaltiges, spannendes und kontroverses Kulturleben in der Provinz gibt und dass der stete Blick über die Mauer unerlässlich ist. Funkfeuer hat 25 Jahre lang Kurioses, Wissenswertes, Vergangenes aufgespürt und bewahrt, Kulturleben kritisch begleitet und auch aktiv mitgestaltet.
Was mit einer gewagten Idee und einem konspirativen Treffen in den alten Mauern der Stadt in einer Januarnacht 1991 begann, setzte etwas ganz Beachtliches in Bewegung: es vernetzte ganz unterschiedliche Menschen, denen allen das Kulturleben dieser Stadt am Herzen lag. Es zeigte seinen Bürgerinnen und Bürgern, was in ihrer Stadt schlummert, lebt und sich bewegt und dass sie die Geschicke ihrer Stadt selbst gestalten können und auch müssen.

Nun ist also Schluss. Aber das ist kein Grund zur Traurigkeit oder für Sentimentalitäten, denn in jedem Abschied liegt auch die Chance eines Neubeginns und, wer weiß, vielleicht treffen sich bald wieder im Schutze der Nacht in den alten Mauern ein paar Wahnsinnige und Mutige….


Bea Gellhorn

   
   
 
 
 
 
   
 
Von der Geschichte leben ?
 
Das Beispiel Dinkelsbühl
 
 
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Erhältlich in allen Buchhandlungen Dinkelsbühls und beim Funkfeuer-Verlag, Am Anger 7, 91550 Dinkelsbühl, Tel.: 09851 / 2159
   
 
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