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Aufgegeben und abgebrannt

Bilanz nach fast 25 Jahren „Getestet“

Fast schon von Beginn an hatten wir in jeder unserer Ausgaben einen kulinarischen Tipp unter dem Titel „Getestet“. Nun im Rückblick haben wir im „Archiv“ geforscht und stellten fest: der in der Gastronomie nicht unübliche Wechsel der Pächter oder sonstige Veränderungen haben auch einige der von uns empfohlenen Adressen zu solchen „von gestern“ werden lassen, das heißt, es gibt sie gar nicht oder jedenfalls nicht mehr so, wie wir sie damals vorgefunden haben. Ein Extrembeispiel ist dabei der bäuerliche Rastmarkt in Aurach, den wir 2003 vorstellten. Das ganze Gebäude brannte einige Zeit später ab und wurde auch nicht wieder aufgebaut. Oder wer erinnert sich noch an das Lokal „Ghio“ in Crailsheim, das mit neuem Konzept (Frontcooking), vom Inhaber – einem Fachfremden – quasi ferngesteuert laufen sollte? 2009 waren wir da, mit dem Essen durchaus zufrieden, aber insgeheim schon skeptisch, ob dieses Geschäftsmodell wohl taugt. Tat es wohl nicht, denn es ist längst Geschichte. Einmal während aller Testjahre passierte es uns sogar, dass der Wirt, nachdem er ein sehr gutes, aber länger verwaistes Lokal übernommen hatte, uns nach dem Essen ankündigte, dass er kurz darauf den Betrieb wieder schließt. Da saßen wir nun einigermaßen ratlos, denn die mit einem Testbericht zu füllenden Seiten würden nun fehlen. Andererseits waren wir über die Mitteilung nicht unfroh, denn das Essen entsprach überhaupt nicht unseren Erwartungen und wir hätten es keinesfalls empfehlen wollen. Aber schlechte Nachrede betreiben wollten wir dann auch nicht, also entschieden wir uns, einen „gnädigen“ Nachruf zu verfassen, der zwar dem Leser keinen gastronomischen Tipp, aber vielleicht etwas Lesevergnügen gebracht hat. Überhaupt haben wir uns immer bemüht, glaubwürdig zu bleiben. Hatte ein Esser an einem Gericht etwas auszusetzen, so wurde das auch nie verschwiegen, was uns allerdings auch schon Diskussionen mit dem Direktionspersonal einbrachte, das unseren Text vorab lesen wollte und dann mit den Formulierungen nicht einverstanden war. Aber die meisten unserer vorgestellten Restaurants im näheren und auch weiteren Umkreis bestehen freilich noch und liefern sicher auch noch die damals beschriebene Qualität. Oder sie haben bzw. bekommen irgendwann einen neuen Pächter. Adressen wie „Die alte Wache“ in Nördlingen, die „Schlossschenke“ in Ellwangen, das „Ross“ in Dorfgütingen oder das „Hofgut Schönbronn“ – wir wissen nicht, ob und wie sie weiterleben, das wäre dann an Ihnen, liebe Leser, es herauszufinden!


Dagmar König

 

Tempora mutantur

Der diesen Teil der Rückblick-Texte verfasste, war im Impressum der ersten Funkfeuer-Hefte zwar dem Bereich „Kultur“ zugeordnet, aber zusätzlich auch dem „Lektorat“. Das vereinseitigte sich im Laufe der Zeit – nicht zu seinem Vergnügen – zu „Korrekturen“. Es war die Zeit der Rechtschreibreform und der Reform der Reform, der sich Funkfeuer nach dem Vorbild u.a. der FAZ zunächst eigensinnig verweigerte, bis es dann doch nicht mehr ging. Den laxen, leicht zu Sinnentstellung führenden Umgang mit der Zeichensetzung, vor allem den Kommaregeln wollte der „Lektor“ aber doch nicht dulden. Erst in letzter Zeit wurde ihm das ausgetrieben mit dem Vorwurf einer reichlich überholten Handhabung. Übrigens werden die Funkfeuer-Texte in den verschiedenen Stadien der Entstehung mehrfach korrigiert, und trotzdem finden eifrige Leser immer noch Fehler, vor allem nette Zeilentrennungen, die das schlaue Rechtschreibprogramm im Computer sich ausdenkt.
Immer wieder geändert haben sich Themen und Gestaltung des Titelblattes und das Layout, für das uns Conny Schmidt in den späteren Jahren als Fachfrau wertvolle Vorschläge machte. Eine zweite Farbe hatten wir schon vorher eingeführt; sie sollte, immer wieder anders, den Jahrgang markieren, bis wir uns dann zum Dauer-Merkmal Rot entschieden.
Ganz streng wurde am Anfang der Text-Umfang vorgeschrieben: eine Seite war die Regel, bis wir dann lockerer wurden, mehr inhaltsbezogen vorgingen und uns zwei oder drei Seiten und gelegentlich auch Fortsetzungen genehmigten. Feste Konstanz blieb, von der ersten Nummer abgesehen, die Seitenzahl des Heftes: 36. Dies einzuhalten war nicht immer einfach, mal hatten wir zu viel interessantes Material, mal mussten wir uns noch etwas überlegen.
Am eindrucksvollsten ist wohl unsere technische Entwicklung. Haben wir lange Zeit die in der Druckerei vorhergedruckten Texte geklebt und so das Layout gestaltet, so funktioniert das seit langem digital, und die Druckerei erhält die fertige Datei, von den Kosten her gar nicht mehr anders zu schaffen.
Anzeigen zu akquirieren waren wir anfangs alle aufgerufen und erlebten dabei hauptsächlich erfreuliche Bereitschaft, die neue Kulturzeitschrift zu unterstützen. Bei einer verwegenen Vision unserer Chefin mussten wir aber schnell zurückstecken. Sie wünschte sich keine Nullachtfünfzehnanzeigen, sondern besonders witzige, „fetzige“, wie wir das damals nannten. Dabei waren wir schon dankbar, wenn unsere Inserenten mitmachten und uns dann über die Jahre die Treue hielten.

Mit unseren Beiträgen konnten wir einigermaßen durchgehend unsere „Rubriken“ bestücken, freilich mit inhaltlichen Variationen. So gaben wir „Das Buch für die Insel“ zugunsten gesteigerter Aktualität auf, aus „Kino“, gekennzeichnet durch die Abbildung eines Stückes Filmrolle, wurde „Ansichtssache“ mit Erweiterung der Themen.

Verändernd und Kontinuität wahrend brachten wir immer wieder unterschiedliche Rätsel. Es waren Texte von „Dinkeldunkel“ zu erkennen, Dinkelsbühl-Abbildungen auf alten Postkarten zu bestimmen, Verstecktes in der Stadt zu entdecken. Mit einigen „50-Kilometer-Fotorätseln“ wagten wir uns über die Grenzen der Stadt hinaus. Am Ende waren es dann viele zweiseitige Fotorätsel, die dazu verleiten sollten, die Altstadt und darin viel Unbeachtetes zu entdecken.
Viele reizvolle Themen waren es, mit denen wir uns in 25 Jahren beschäftigten, wir werden es vermissen.

Walter Hauth

Und manches bewegte sich doch.

Schon im ersten Jahr seines Bestehens ließ sich Funkfeuer auf ein kühnes Abenteuer ein. Es ging darum, ein großes Dinkelsbühl-Aquarell von Karl Schmidt-Rottluff für unsere Stadt zu erwerben, das von einer norddeutschen Galerie angeboten wurde. Der Preis: 92000 DM – das war damals viel Geld. Wir, die optimistischen Redakteure, sechs an der Zahl, leiteten eine nach unseren Möglichkeiten aufwendige Werbeaktion ein. Mit Beharrlichkeit durchgeführt, wurde sie schließlich, nach 4 Monaten, entgegen einigen Bedenkenträgern von Erfolg gekrönt. Das Bild des berühmten Expressionisten nimmt heute einen würdigen Platz in der Galerie des städtischen Museums ein.

Mit dieser gelungenen Aktion wurde deutlich: Funkfeuer will nicht nur über kulturelle Themen schreiben, wenig bekannte Leistungen und Qualitäten würdigend und Missstände anprangernd, Funkfeuer will auch aktiv, nach außen wirkend, mithelfen, Kultur in der Stadt zu fördern. Dass wir dabei nicht die Verwirklichung jeder unserer Ideen würden erreichen können, war uns klar. Doch von Versuchen wollten wir nicht ablassen. Als wieder einmal ein Dinkelsbühl-Bild, ein herrliches Temperagemälde von Christian Rohlfs, zur Disposition stand, das freilich einige hunderttausend DM kosten sollte, gelang es uns nicht, die Banken davon zu überzeugen, an der Auktion in Berlin teilzunehmen. Schade, aber fast vorauszusehen.
Auf ganz anderer Ebene lag unsere Beschäftigung mit der Situierung des Weihnachtsmarktes. Dass dieser vor ein paar Jahren endlich von völlig ungeeigneten Plätzen der Stadt weg auf das dafür ideale Areal des Spitalhofs verlegt wurde, rechnen wir zwar nicht uns als Verdienst an, doch hatten wir zuvor in mehreren Ausgaben von Funkfeuer immer wieder und dringlich diesen Zielort empfohlen. Wir machten die Erfahrung, wie schwierig es sein kann, alte Vorurteile zu überwinden.

Auch mit politischen Widerständen war zu rechnen. Ohne die Spur eines Erfolgs blieb eines Tages etwa unser Vorschlag, für Dinkelsbühl den (auch wirtschaftlich vorteilhaften) Status eines Weltkulturerbes zu beantragen, ein Gedanke übrigens, den kurz darauf auch die Junge Union verfolgte. Wir wurden zu einem Gespräch beim Oberbürgermeister über das Thema eingeladen. Aber das war alles. Ebenfalls lediglich ein Gespräch beim Stadtoberhaupt folgte auf unsere Forderung an die Stadt nach einer besseren Einhaltung denkmalschützerischer Verordnungen. Nach einem illustrierten Bericht von Funkfeuer über den beklagenswerten Zustand der Stadtmauer konnte man wenigstens in der Zeitung lesen, dass im Stadtrat über dieses Thema gesprochen wurde.
Mehrfach und ausführlich befassten wir uns mit der Gartenschau von 1988 und ihren für die Stadtentwicklung so wichtigen Folgen. Ein Versuch der Stadt, deren 20jähriges Jubiläum zu feiern, scheiterte. „Angestoßen durch einen kritischen Bericht von Funkfeuer“, plante der Stadtrat, dann doch den 25. Geburtstag zu feiern, aber es geschah wiederum fast nichts. Ein Vortragsabend, als solcher durchaus gelungen, den die CSU veranstaltete (warum nicht die Stadt?), war am Ende des Jahres alles gewesen.
So viel zu unseren wiederholten Versuchen, auch agierend zum Thema Kultur in unserer Stadt beizutragen. Am Ende seien noch die drei Buchpublikationen unseres Verlags erwähnt, von denen eine auch Kritik auslöste, die aber insgesamt große Anerkennung fanden. Ihre Titel: „Von der Geschichte leben?“ (eine Analyse der letzten 200 Jahre Dinkelsbühler Kulturgeschichte), „Es war einmal in Dinkelsbühl“ (die Märchenvariante zweier Amerikanerinnen über die Rettungstat der Kinderlore) und “Dinkelsbühler Gästebuch“ (eine Sammlung von Texten fremder Autoren über unsere Stadt). Außerdem edierten wir ein Mappe mit „Zeichnungen zu Homer“ des Dinkelsbühler Künstlers Helmut Faltermaier und eine Serie von Kunstpostkarten mit Dinkelsbühl-Motiven von Christian Rohlfs und Karl Schmidt-Rottluff.


Ernst Erhard

Blicke über (Landes-)Grenzen

Vom ersten Heft im Jahr 1991 an wollten wir unsere Leser auf interessante Termine in und um Dinkelsbühl aufmerksam machen: Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Theater, Vorträge etc., etc. Vor allem von „jenseits der Grenze“, aus dem Landkreis Schwäbisch Hall und dem Ostalbkreis gab es dazu – und gibt es auch heute noch – sehr spärliche Informationen in der örtlichen Presse. Und das, obwohl dort einiges an Kultur geboten wird und den Dinkelsbühlern die Nachbarstädte Crailsheim und Ellwangen viel näher liegen als Ansbach. Doch was sich heute dank moderner Technik so einfach gestaltet, kurz mal ins Internet schauen, was so läuft, war in den Funkfeuer-Anfangszeiten für die meisten Menschen gar nicht möglich. Direkt steinzeitlich! Heute unvorstellbar, aber damals war das so. Tatsächlich hatte von den Redaktionsmitgliedern kein einziger einen PC, geschweige denn einen Internetanschluss. Es blieb also nichts anderes übrig als sich anderweitig zu informieren. Jeder Mitarbeiter wurde verpflichtet, von überall her Prospekte und Flyer mitzubringen, die dann für die nächste Funkfeuer-Nummer ausgewertet wurden, sowie Adressen von Veranstaltern zu sammeln, damit wir uns in deren Verteilerlisten aufnehmen lassen konnten. So war es natürlich Glückssache, ob wirklich alle wichtigen kulturellen Events ihren Weg ins Heft fanden. Vollständigkeit konnte natürlich auch später nicht immer garantiert werden, obwohl auch wir sobald als möglich die moderne Technik nutzten und uns Informationen von den Terminseiten der Veranstalter holten. (Naja – bei einer Übertragungsgeschwindigkeit von 384 Kbits war das auch nicht immer ein Vergnügen…) Über 10000 Veranstaltungen haben wir so im Lauf der Jahre aufgelistet. Wir hoffen, unsere Leser haben einige davon als Anregung genommen und sich in Crailsheim, Schwäbisch Hall, Ellwangen, Heidenheim, Fichtenau, Nördlingen, Gunzenhausen, Wassertrüdingen, Feuchtwangen, Rothenburg und natürlich Dinkelsbühl gut unterhalten und werden das auch in Zukunft tun und ab und zu einen kulturellen Blick über die (Stadt-)Mauer werfen – es lohnt sich!

Isolde Lang

Funkfeuer, Du wirst fehlen!

Als ich im Rahmen der redaktionellen Planungen dieser einhundertsten Ausgabe des Funkfeuer gebeten wurde, einen Rückblick auf meine Zeit bei unserem Magazin zu schreiben, kam mir ein Vortrag von Thomas Mann in den Sinn. Er hielt ihn 1926 unter dem Titel „Lübeck als geistige Lebensform“ und zollte darin seiner Heimatstadt Respekt und Anerkennung für die Prägung, die er dort erhalten hatte. Zu zeigen, dass auch Dinkelsbühl eine spezielle kulturelle, „geistige“ Atmosphäre hat, war das Kernanliegen unseres Funkfeuer.
Dass man einen damals 22-jährigen Studenten in die Redaktion dieses Blattes aufnahm, finde ich noch heute bemerkenswert. Dass man ihm ohne weiteres alle Möglichkeiten publizistischer Tätigkeit eröffnete, erst recht. Der Anfang wurde im Dezember 1998 (FF Nr. 31) gemacht, als wir nach Vorschlägen zur Gestaltung des Marktplatzes fragten und vielfältige Einsendungen erhielten, die wir im März 1999 (FF Nr. 32) dokumentierten. Im Juni 1999 (FF Nr. 33) griffen wir einen besonders gelungenen Entwurf nochmals auf. Dass diese Artikelserie bei der Neugestaltung des Münsterumgriffs dann ganz offensichtlich inspirierend wirkte, hat uns gefreut. Anders verhielt es sich leider mit Anregungen zu anderen öffentlichen Baumaßnahmen, die wir im Dezember 2002 (FF Nr. 47) und im März 2003 (FF Nr. 48) veröffentlicht haben, sie sind folgenlos verpufft.
Zu einem kleinen lokalpublizistischen Feuerwerk führte der Artikel „Mutter Courages glückliche Reise ins Weiße Rössl“ (FF Nr. 36, März 2000), in dem eine Bilanz der Amtszeit des damals scheidenden Intendanten unseres Theaters gezogen wurde. Dem Anspruch, „Zündfeuer“ zu sein, wurde die Episode damals vollauf gerecht. Unser Verhältnis zum Theater in neuer personeller Aufstellung hat sich seither deutlich entspannt. Mir ist kein Forum bekannt, dass einem Studenten und Referendar wie mir seinerzeit die Möglichkeit eröffnet hätte, derart vielfältig und unbeschränkt Anteil an der Diskussion der Geschicke unseres Städtchens nehmen zu können. Dafür bin ich dankbar, weswegen ich Funkfeuer auch weiterhin verbunden blieb, als mich der berufliche Weg von der Wörnitz weg geführt hat. In meiner Tätigkeit als Wissenschaftler habe ich freilich von den Erfahrungen in der Redaktion deutlich profitiert. Artikel innerhalb eines vorgegebenen Rahmens schreiben zu können, ist ohne Erfahrung nicht leicht, wird aber in jeder Fachzeitschrift erwartet. Dank Funkfeuer hatte ich entsprechende Übung. Die Tatsache, dass wir ein sehr präzises Lektorat über all die Jahre gepflegt haben, hat mir Einsichten über Textgestaltung und Schreibtechnik vermittelt, die ich in meinen akademischen Publikationen gut gebrauchen kann. Die 18 Jahre bei Funkfeuer, beinahe mein halbes Leben, waren eine Zeit vielfältiger Eindrücke und Erfahrungen. Funkfeuer, Du wirst mir fehlen!

Dr. Peter Kreutz


   
   
 
 
 
 
   
 
Von der Geschichte leben ?
 
Das Beispiel Dinkelsbühl
 
 
von Ernst-Otto Erhard
   
 
"Eine ebenso liebevolle wie kritische Diagnose" (Charivari)
   
 
€ 11,80
   
 
Erhältlich in allen Buchhandlungen Dinkelsbühls und beim Funkfeuer-Verlag, Am Anger 7, 91550 Dinkelsbühl, Tel.: 09851 / 2159
   
 
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