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Gartenschau-Jubiläum geplatzt

   
 
 

 

Es fehlt nicht am guten Willen, aber am Geld

 

 


Angestoßen durch einen kritischen Bericht im Funkfeuer Nr. 69 aus dem Jahr 2008, in dem die Landschaftsarchitektin Dore Müller beleuchtete, was vom ehemaligen Konzept der Landesgartenschau 1988 im Jahre 2008 übrig geblieben war, beschäftigten sich auch verschiedene Gremien des Stadtrates mit der Frage, wie man das 25jährige Jubiläum der Landesgartenschau im Jahre 2013 angemessen begehen könne.
Schließlich berief der Stadtrat eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den Stadträten Ehrmann, Forkel, Sandfuchs, Sparrer und Zitzmann, die entsprechende Vorschläge ausarbeiten sollten. In einer ersten Besprechung dieser Gruppe, zu der auch der Stadtbaumeister Holger Göttler bzw. andere Vertreter des Bauamtes hinzugezogen wurden, einigte man sich rasch auf fünf Teilbereiche , denen sich jeweils ein Vertreter der Arbeitsgruppe schwerpunktmäßig widmen sollte: 1. Rosengarten und Gaulweiher; 2. Alter Bauhof; 3. Wall- und Grabenanlagen; 4. Schul- und Bürgerpark; 5. Königshain.
Als nächstes fanden zwei Begehungen des Geländes statt, um eine Stoffsammlung für eventuelle Wiederherstellungsmaßnahmen zu erarbeiten. Das Ergebnis war eine vierseitige, engbedruckte tabellarische Aufstellung, bei der auch Angaben über den Zeitpunkt, zu dem diese erfolgen mussten, um für das Jubiläum einen „gealterten“, aber eben nicht baufälligen Eindruck zu hinterlassen, festgelegt wurden. Bereits hier zeichnete sich ab, dass noch im Jahre 2009 erste Maßnahmen des Bauunterhalts ergriffen werden mussten. Insbesondere das seit zwanzig Jahren z.T. ungehindert wuchernde Grün im Alten Bauhof und an der Stadtmauer stellte dabei ein nicht unerhebliches Problem dar, da es für deutliche Schäden am Mauerwerk sowie den Pergolen und Zäunen gesorgt hatte. Die Hauptlast sollte hierbei auf den Städtischen Bauhof entfallen; daher waren auch entsprechende Bauzeitenpläne zu erstellen.

Dore Müller hinzugezogen

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde den Mitgliedern der Arbeitsgruppe klar, dass der Sachverstand des Bauamtes zwar ausreichte, die baulichen Arbeiten planen und durchführen zu können, dass aber für die landschaftsgärtnerischen Überlegungen zusätzliche Fachkenntnisse notwendig waren. Mit der Beteiligung von Dore Müller, die diese Arbeiten ja für die Landesgartenschau 1988 geleitet hatte, gelang es, genau diesen Sachverstand zu gewinnen. Zwei weitere ganztägige Begehungen mit entsprechend umfangreichen Stichwortprotokollen des Bauamtes folgten. Die Öffentlichkeit konnte erste Schritte für die Neugestaltung kleiner Bereiche am Beispiel der äußeren Dr.-Martin-Luther-Straße begutachten.
Die Fotodokumentation aus dem Bauamt, die anlässlich dieser Begehungen entstanden ist und aus der wir einige Beispiele auf diesen Seiten wiedergeben, macht die Problematik deutlich. Das gilt insbesondere auch für den Schul- und Bürgerparkbereich, der z.T. durch notwendige Bauten wie die Erweiterung des Gymnasiums und die Mensa verkleinert worden ist, z.T. aber auch verwahrlost, weil sich niemand dafür als zuständig ansieht, z.B. der Schulgarten, das Biotop und der geologische Pfad.

Hiobsbotschaften

Allerdings wurde jetzt auch deutlich, dass für die Vorbereitung der Jubiläumsveranstaltung bereits in den Jahren 2010 bis 2012 nicht unerhebliche Mittel in den städtischen Haushalt aufgenommen werden müssten. Der Stadtrat beauftragte im Herbst 2009 das Bauamt mit der Aufstellung eines Kostenplanes, in den alle anfallenden Ausgaben in geschätzter Form aufgenommen werden sollten, auch jene, die aus Gründen des Bauunterhalts in absehbarer Zeit erforderlich sein würden, aber ohne eine Jubiläumsveranstaltung noch einige Zeit hätten geschoben werden können. Für den erfahrenen Stadtrat konnte das nur bedeuten, dass man verständlicherweise nicht bereit war einen Blanko-Scheck auszustellen, sondern einen knapp kalkulierten Kostenrahmen von vielleicht 100.000 €, verteilt auf drei bis vier Jahre, vorgeben wollte.
Hiobsbotschaften
Noch herrschte in der Arbeitsgruppe die Hoffnung, die Fraktionen von einem solchen Projekt überzeugen zu können. Als erste signalisierte die SPD-Fraktion ihre Zustimmung zu einem derartigen Rahmen. Anfang 2010 trafen dann allerdings im Wochentakt die Hiobsbotschaften bei den Stadträten ein: die städtischen Einnahmen würden aufgrund gesunkener Schlüsselzuweisungen und Gewerbesteuereinnahmen, schrumpfender Einkommensteueranteile und gestiegener Kreisumlage erheblich geringer ausfallen als erwartet. Vielmehr müsse man unter Umständen an eine Erhöhung des Gewerbesteuer-hebesatzes denken. Als in dieser Situation aus dem Bauamt die endgültige Schätzung für die Kosten der erforderlichen Maßnahmen zur Gestaltung einer Jubiläumsver-anstaltung „25 Jahre Landesgartenschau in Dinkelsbühl 2013“ mit rund 350.000 € bekannt wurde, war sofort klar, dass in dieser Situation eine angemessene Vor-bereitung einer solchen Veranstaltung nicht vermittelbar sein würde.
Insofern war es nur folgerichtig, dass der Stadtrat in seiner Sitzung vom 28.4.2010 einstimmig beschlossen hat, diese Veranstaltung nicht durchzuführen, da die Stadt in der gegenwärtigen Situation dafür keine Mittel bereitstellen kann.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe werden in den nächsten Wochen ein letztes Mal tagen, um die Selbstauflösung zu beschließen. Trotzdem wird Dinkelsbühl sich Gedanken darüber machen müssen, auf welche Weise das Erbe der Landesgartenschau 1988 behandelt werden soll. Fest steht jedenfalls, dass die allgemeinen Bauunter-haltskosten weiterhin aufgebracht werden müssen. Immer-hin verdankt die Stadt ihren anerkannt hohen Wohnwert, der nach 1988 zur Erschließung der Wohngebiete Königshain III und IV, Schelbuck, Grillenbuck, Kreuzespan und zuletzt Gaisfeld I und die damit gestiegene Bevölkerungszahl geführt hat, nicht zuletzt der Landesgartenschau 1988.
Fest steht aber auch, dass mittlerweile eine ganze Generation von Dinkelsbühlern lebt, die nicht die geringste Ahnung davon hat, welche Steigerung an Lebensqualität sie der 88er Gartenschau verdankt. Diese Form der Geschichtslosigkeit kann man nur beklagen, weil sie u.a. auch dazu führt, die ohnehin sehr verbreitete Ignoranz gegenüber historischen Entwicklungen, sofern sie sich nicht unmittelbar touristisch ausmünzen lassen, zu bestärken.
Thomas Sandfuchs


   
   
 
 
 
 
   
 
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