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Kunsthalle Schwäbisch Hall bis zum 29. Juni 2008

   
 


Alfred Hrdlicka. Bildhauer, Maler, Zeichner
Ein exzellentes Geschenk zum 80 Geburtstag des Künstlers

   
 

Einzelgänger, Querkopf, gesellschaftliches Enfant terrible wurde er genannt, exzessiv im Werk wie im Leben und oft genug provokativ. Nein, Behaglichkeit oder gar Gemütlichkeit blieben für ihn wohl zeitlebens Fremdwörter und wurden nie Gegenstand künstlerischer Gestaltung. Die Schrecklichkeiten des menschlichen Miteinanderlebens waren vielmehr sein Hauptthema. Immer wieder machte er das schlimme Los der Leidenden und Gequälten und ebenso die Unbarmherzigkeit der Exekutoren und Folternden durch schonungslose, für manchen Betrachter abstoßende Härte seiner Darstellung eindringlich. Die Wut gegen das Unrecht, das man aus vielen seiner Werke zu spüren meint, soll, wie glaubhaft überliefert wird, Hrdlicka tatsächlich auch bei der Arbeit beseelt haben; Kunst und Leben, ein seltener Fall, nährten sich bei ihm aus denselben Wurzeln.
Beispiele für seine zentrale Thematik findet er in der Gegenwart wie in der Geschichte. Er findet sie bereits im griechischen Mythos in der Gestalt des von Apollo geschundenen Marsyas (“Er ist ein Symbol antiautoritärer Haltung“); wiederholt würdigt er, der bekennende Atheist, auch den Gekreuzigten als den wohl bekanntesten Fall eines Gewaltopfers („Schmerzensmann“ ist freilich auch der Titel für die Skulptur eines Pasolini); zum 200jährigen Jubiläum der Französischen Revolution arbeitet er deren im Namen der Freiheit vollzogene Greuel auf (wobei er es zugleich fertigbringt, die beteiligten Akteure aller Stände mit grimmigem Humor zu karikieren). Fast selbstverständlich auch, daß er mit spontaner Zustimmung die Einladung der Gemeinde von Plötzensee (Berlin) annahm, eine Gedenkstätte für die dort gehenkten Verschwörer gegen Hitler zu gestalten („Plötzenseer Totentanz“).
Die Reihe der Beispiele für sein lebenslang verfolgtes Haupt-Thema ließe sich fortsetzen. Es wäre vielleicht ohne die oft massiven Proteste von der Öffentlichkeit akzeptiert worden (kommentiert vielleicht nur mit dem „entschuldigenden“ Hinweis, daß der Künstler eben Kommunist sei), wenn in seinen Arbeiten nicht so oft der Leib des Menschen, der entblößte Leib, in auffälliger Weise einbezogen wäre. „Sie alle haben auf seinen Bildern die Hosen heruntergelassen“, formuliert der Kunsthistoriker Wieland Schmied. Weniger flapsig und mit Verständnis schreibt P. Friedhelm Mennekes von der Societas Jesu: „Das Fleisch ist der Boden, auf dem sich der Geist der Gewalt unter den Menschen austobt, vor allem, wenn einer dem andern das Lebensrecht verwehrt.“ Und: “Alfred Hrdlicka begreift das Fleisch als die eigentliche Materialität des Menschen.“
Besonders anstößig dabei ist für manchen, dass „das Fleisch“ für den Künstler nicht nur im Zusammenhang mit Szenen der Gewaltausübung und zum Ausdruck politisch-sozialen Protestes eine Rolle spielt. Es ist, fern jeglicher Ideologie, natürlich auch präsent in dem von Hrdlicka ebenfalls lebenslänglich variierten Thema der Sexualität. Mit dem Vorwurf der Pornographie bemühten sich einmal sogar die Mitarbeiter der Firma Würth bei ihrem Chef persönlich um die vorzeitige Beendigung einer Hrdlicka-Ausstellung in Künzelsau.
Die Persönlichkeit des Künstlers läßt sich freilich nicht auf ein paar wenige Grundzüge reduzieren. Er zeigt mit zahlreichen, oft ironischen Porträts (u.a. Richard Wagner, Adalbert Stifter, Franz Schubert, Helmut Qualtinger) auch ein ausgeprägtes physiognomisches Interesse, oder er variiert, mit etwas Narzissmus und nicht ohne Humor, sein eigenes markantes Äußere in immer wieder überraschenden Rollen und Selbstinszenierungen, etwa mit dem „Selbstporträt à la Rubens“ oder in dem Zyklus „Hommage à Géricault“ als „Bulldogge“, als „Irrsinniger mit militärischem Größenwahn“ und als „Irrsinnige Neiderin“, schließlich auch als Napoleon.
So waren die Gegenstände von Hrdlickas Werken durchaus vielfältig, dabei freilich immer figürlich und damit gesellschaftsbezogen. Abstraktes dagegen, so seine Meinung, verfehle den Sinn von Kunst – eine in der Nachkriegszeit selten vertretene Position. Vielfältig auch die Medien seiner Arbeiten, die von überlebensgroßen Denkmälern im öffentlichen Raum – ihnen verdankt er seinen Ruhm – über die Malerei bis zu verschiedenen graphischen Techniken reichen.
Reinhold Würth, der größte private Hrdlicka-Sammler, hat zum 80. Geburtstag seines Freundes eine repräsentative, alle künstlerischen Techniken umfassende Ausstellung organisieren lassen. Sie ist so reichhaltig, daß der Künstler bei einer ersten Besichtigung erstaunt meinte: „Und das soll ich alles gemacht haben?“
Die vorzügliche Ausstellungsregie und ein besonders schöner, auch den Menschen Hrdlicka würdigender Katalog lassen einen Besuch zusätzlich lohnend erscheinen.

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr



   
   
 
 
 
 
   
 
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